Die Familie von Moltke

Die Moltkes entstammten einer mecklenburgischen Adelsfamilie, deren ursprüngliche Besitzungen in Parchim lagen. Helmuth Karl Bernhard von Moltke stand für den Typus „des gelehrten Offiziers”, der sich durch umfassende Bildung, nichtalltägliche Aufgeschlossenheit gegenüber der Wissenschaft und anderen Kulturen sowie Fremdsprachenkenntnisse auszeichnete. In seiner Weltoffenheit wurde er von seiner Frau, Mary Burt, die englische Wurzeln hatte, beeinflusst.

Nicht wenige Mitglieder der Familie von Moltke verdienten sich einen festen Platz in der deutschen Geschichte. Dies gilt in erster Linie selbstverständlich für Feldmarschall von Moltke (1800-1891), der neben Bismarck als der „Reichsschmied“ angesehen wurde, sowie für den Urgroßneffen seines Bruders, Helmuth James, den Begründer und Anführer des Kreisauer Kreises. Etwas weiter hinten in der historischen Rangfolge stehen der Neffe des Feldmarschalls – General Helmuth-Ludwig von Moltke (1848-1916), der die Verantwortung für die Niederlage der Deutschen an der Marne 1914 trägt, sowie der Diplomat Hans Adolf von Moltke (1884-1943), der bis September 1939 Botschafter des Dritten Reiches in Warschau war. Frauen aus der Familie von Moltke, wie Dorothy von Moltke (1884-1935), geboren in Südafrika, britischer Abstammung, Mutter von Helmuth James, sowie die Frau dieses Oppositionellen, Freya von Moltke, die letzte „Hausherrin“ des Guts Kreisau, dürfen dabei nicht unerwähnt gelassen werden.

Der junge Helmuth James von Moltke las mit großem Interesse die Memoiren seines Onkels väterlicherseits, dessen Charakter und Bildung er sehr wertschätzte. Seine Erziehung beruhte auf Toleranz und liberalen Werten, die ihm in der Hauptsache von seiner südafrikanischen Mutter Dorothy, einer weltbürgerlich denkenden Demokratin und Anhängerin der internationalen Frauenrechtsbewegung (eine Ausnahme unter den deutschen Adeligen), aber auch von seinem Vater, einem Anhänger der Weimarer Republik und einem Fürsprecher der internationalen Verständigung, eingeimpft wurden. Während seines Studiums der Rechts- und Sozialwissenschaften entwickelten sich seine republikanisch-liberalen Ansichten weiter. Sein soziales Engagement kam zum ersten Mal zum Vorschein, als er 1928 das erste schlesische Integrationslager für Studenten, Arbeiter und Bauern organisierte. In den 1930er Jahren wurde er nach Berlin berufen, wo er in der völkerrechtlichen Abteilung des Militärischen Nachrichtendienstes beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW) als Völkerrechtsexperte tätig war.

Die seitdem zwischen ihm und seiner Frau (ab 1931) Freya von Moltke gewechselten Briefe spielten eine zentrale Rolle, wenn es darum ging, das Gut Kreisau zu beaufsichtigen. Sowohl als amtierender Rechtsanwalt als auch bei dem OKW nutzte er seine Beziehungen, um jüdischen und anderen Opfern des NS-Regimes bei Auswanderung zu helfen, sowie Menschen, die von ihm vor der Verhaftung durch die Gestapo gewarnt wurden. Nach 1938 nahm er Kontakte zu alten und neuen Freunden auf, „um ein besseres Deutschland in einem besseren und freien Europa aufzubauen“ (Beate Ruhm von Oppen). Diese Aktivitäten gingen in die Tätigkeit des späteren Kreisauer Kreises über. Helmuth James von Moltke wurde am 23. Januar 1945 im Gefängnis Plötzensee hingerichtet.

Möchten Sie auf dem Laufenden bleiben?

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erfahren Sie so als erste(r) von den bevorstehenden Veranstaltungen!