Der St.-Anna-Berg (Góra św. Anny) wurde einst auch Sankt Georgenberg (Góra św. Jerzego) und Chelmberg (Góra Chełmska) genannt. Seit heidnischen Zeiten diente er als Kultstätte und Versammlungsort für Gläubige. Der Berg gilt auch als „heiliger Berg Oberschlesiens“. Von Erzbischof Alfons Nossol wird er ferner als „Berg des zuversichtlichen Gebetes und der Hoffnung“ bezeichnet. In der katholischen Kirche in Oberschlesien hat es sich eingebürgert, Gläubigen in ihrer jeweiligen Muttersprache zu dienen. Deshalb auch die Entscheidung Kardinal Jerzy Kopps (1887-1914) und seines Nachfolgers, Kardinal Adolf Bertrams (1914-1945), der polnischen Minderheit den Zugang zur Seelsorge in polnischer Sprache zu erleichtern. Heilige Messen durften in polnischer Sprache gehalten werden, und religiöse Schriften konnten ungehindert polnischsprachige Gemeindemitglieder erreichen. Kardinal Bertram erließ sogar am 15. Dezember 1921 eine entsprechende Anordnung, die bis 1939 in Kraft blieb. Die Praxis, zweisprachige Messen abzuhalten, wurde durch den Ausbruch des Krieges unterbrochen. Das Verbot wurde von polnischen kommunistischen Behörden nach dem Krieg fortgeführt. Diesmal waren davon Messen in deutscher Sprache betroffen. Das Bedürfnis, zweisprachige Messen zu feiern, stieß bei Bischof Alfons Nossol, dem Ordinarius von Opole (Oppeln), auf Zustimmung. Die erste deutschsprachige Messe fand auf dem St.-Anna-Berg am 04.06.1989 statt.

Die Zweisprachigkeit bei Kulthandlungen auf dem St.-Anna-Berg hat lange Tradition und reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Die Franziskanermönche feierten dort Gottesdienste für jede Sprachgruppe bereits seit 1861.

Im Juni 1983 besuchte Papst Johannes Paul II. den St.-Anna-Berg. In seiner Predigt wandte er sich an die Gläubigen mit diesen Worten: „Söhne und Töchter dieser Erde! Hört niemals auf, in der Sprache, die die Sprache Eurer Vorfahren war, zu rufen – hört niemals auf, zu Gott ‚Abba Vater!‘ zu rufen.” 


21.06.1983 (Johannes Paul II. – Predigt auf dem St.-Anna-Berg)

„Bemüht Euch somit um Vergebung der Sünden und auch um die Vergebung der diesseitigen Strafen, soweit es möglich ist, bei richtiger innerer Haltung. Bemüht Euch auch, [aus den unendlichen Schätzen der Erlösung] Aussöhnung zu schöpfen: vor allem eine immer tiefere Aussöhnung mit Gott selbst in Jesus Christus und durch den Heiligen Geist, zugleich auch Aussöhnung mit Menschen, den nahestehenden und den fernen – den auf dieser Erde präsenten und den nichtpräsenten. Diese Erde bedarf nämlich – wie ich es heute bereits in Wrocław gesagt habe, unter Anknüpfung an das Werk der heiligen Hedwig – immer noch vielfältiger Aussöhnung.”

Möchten Sie auf dem Laufenden bleiben?

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erfahren Sie so als erste(r) von den bevorstehenden Veranstaltungen!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok