Konferenz „Ein Christ in der Gesellschaft”

Kreisau war als Ort des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im sozialistischen Polen in Vergessenheit geraten, auch wenn sich einige Personen bemühten, ihn wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Zu diesen Personen zählten natürlich Freya von Moltke, die Witwe des Widerständlers Helmuth James von Moltke sowie der seit den 70er Jahren wissenschaftlich über den Kreisauer Kreis publizierende Breslauer Rechtsprofessor Karol Jonca sowie der Pfarrer von Kreisau, Bolesław Kałuża, der sich seit langem aktiv um die deutsch-polnische Aussöhnung bemühte.

Bereits im Jahre 1985 wurde während eines dreitägigen Forums von Vertretern der Volksrepublik Polen und der Bundesrepublik (21. bis 24. November 1985) die Frage besprochen, ob das Berghaus in Kreisau renoviert und als internationale Jugendbegegnungsstätte ausgebaut werden könnte. Doch erst spätere Bemühungen brachten erste wirkliche Erfolge. Auf Initiative einiger Publizisten und Wissenschaftler aus Polen, den Niederlanden, den USA und der DDR traf man sich vom 2. bis 4. Juni 1989 auf einer Konferenz in Breslau zu dem Thema „Der Christ in der Gesellschaft“. Organisiert vom KIK Wrocław, dem Klub der Katholischen Intelligenz in Breslau, diskutierte man gemeinsam das Widerstandsdenken des Kreisauer Kreises und erörterte „die Möglichkeit, in Kreisau eine internationale Jugendbegegnungsstätte sowie ein Museum des europäischen Widerstandes gegen Hitlerdeutschland zu schaffen.“ Am 4. Juni, dem Tag der ersten (halb-) freien Wahlen in Polen, besuchten die Konferenzteilnehmer auch Kreisau: „Der reine Zufall wollte es ..., dass das zweite [Seminar], im November [des Jahres 1989] ausgerechnet auf den Tag des Mauerfalls fiel, so als ob die Geschichte selbst der ganzen Sache gewogen sei.“ (Ewa Unger/KIK Breslau)

So genannte „Klubs der katholischen Intelligenz“ gab es in Polen infolge des „Tauwetters“ der 50er Jahre fünf größeren Städten. Von den kommunistischen Machthabern weitestgehend geduldet, hatten viele KIK-s Kontakt zu christlichen Gruppen in der DDR und der BRD (u.a. PAX Christi) und machten sich sowohl für den ökumenischen Gedanken als auch die deutsch-polnische Aussöhnung stark. Ihre Mitglieder standen in den 1980er Jahren der Solidarność nahe und unterstützten diese im Wahlkampf des Jahres 1989. Die KIKs leisteten einen wichtigen Beitrag für das Ende des Sozialismus in Polen. Es war der „Klub der katholischen Intelligenz in Breslau“, der in den 80er Jahren die Idee einer Begegnungs- und Gedenkstätte in Kreisau beriet und später, unter Mithilfe vieler weiterer engagierter Menschen, in die Tat umsetzte.

Im September 1989 war vielen vorausgegangenen Initiativen ein weiterer Erfolg beschieden. Vor dem Eingangstor zum Gut wurde ein Stein mit einer Gedenktafel aufgestellt, der den Besucher bis heute über folgendes informiert: „An diesem Ort trafen sich während der Zeit des Zweiten Weltkrieges deutsche Bürger im Widerstand gegen Hitler zu geheimen Beratungen. Im Gedenken an diese als „Kreisauer Kreis“ bekannte Gruppe zum 50. Jahrestages des Kriegsausbruchs.“ September 1989

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