newsletter
Pl
De



 
Interview: Massenmedien historisch betrachtet. PDF Drucken E-Mail

Was war die Bedeutung der medialen Übertragung früher und wie ist sie heute – anders oder doch gleich? Über die Thematik des deutsch-polnischen Seminars „Geschichte und Massenmedien” berichtet Hochschullehrer, Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl von der Universität in Kiel.

Massenmedien und Geschichte sind die Kernthemen des Seminars. Was steht dahinter?

Medien sind ein Teil eines politischen Systems. Während des Seminars konzentrieren wir uns auf die Rolle der Medien in einem autoritären und einem demokratischen System. Die TeilnehmerInnen des Seminars sind MultiplikatorInnen und LehrerInnen, die Umgang mit Jugendlichen haben und mit ihnen solche Themen besprechen können. Und das ist sehr wichtig. Diese Menschen sollen den Schülern genau vermitteln, welche entscheidende Rolle Medien in unserem Leben spielen, wie ernsthaft man sich diesem Thema nähern muss und wie sehr man bei der Analyse auch immer den historischen Kontext berücksichtigen muss. In dem Seminarteil, den ich leite, konzentriere ich mich auf die Rolle der Medien in der NS-Zeit. Ich gehe den Überlegungen nach, wie Medien wirkten, welche Ziele dabei verfolgt wurden und welchen Erfolg sie hatten. Eben am Beispiel von der NS-Zeit kann man das sehr schön darstellen. Wir analysieren Kriterien der Medienentwicklung und wir sehen, wie man damals die Informationen dechiffrieren konnte bzw. sogar musste. Ich zeige den TelinehmerInnen, wie sie den jungen Leuten beibrigne können, medienkritisch zu arbeiten. Und wenn sie das können, dann sind sie auf den guten Wege, stabile Demokraten zu werden.

Was machte die Massenmedien damals aus und wie sieht es heute aus?

Früher stellten die Medien ein perfektes Propagandamittel dar: Die Ziele waren ganz klar festgelegt, es wurden klar manipulative Kriterien und Methoden angewandt. Diese Aspekte und Grundkriterien waren für jede Mediensorte wichtig, für Presse, Radio, Kino. Mit der Zeit wurden auch Kriterien für das Fernsehen und für das heute sehr populäre, sich sehr schnell entwickelnde Internet erarbeitet. Im Seminar untersuchen wir, wie früher und auch heute die Zeiten der NS dargestellt werden und was dahinter steht. Für die Deutschen ist das ein interessantes Thema. Wir analysieren Themen, die früher verdeckt oder eben anders dargestellt wurden als jetzt, wie z. B. das Thema der Manipulation oder der Widerstandsbewegung. Und glauben Sie mir, die Emotionen sind immer noch sehr groß! Die jungere Generation sieht das Ganze etwas anders als die ältere. Die älteren Menschen fühlen sich sehr stark mit dem Thema verbunden, hier spielen die Emotionen eine sehr große Rolle. Manchen fällt es schwer, so etwas zu akzeptieren, die anderen verstehen das nicht – also es ist sehr gut, offen darüber zu reden.

Wie nehmen die polnischen und deutschen TeilnehmerInnen die Thematik des Seminars wahr?

Die TeilnehmerInnen sind sehr angetan, sie engagieren sich und sind aktiv während des Seminars. Sie zeigen dadurch ihr Interesse – schon am ersten Abend, nachdem sich alle kennen lernten, war das Interesse an dieser Thematik wirklich außergewöhnlich. Ich muss echt zugeben, dass ich sehr überrascht war. Mein Lehrerbild ist sehr positiv. Ich sehe dadurch, dass sich Lehrer weiterbilden wollen. Kreisau ist sehr geegnet dafür. Die Gruppen sind die ganze Zeit zusammen, auch in ihrer Freizeit. Und das trägt dazu bei, dass sie sogar dann über diese Themen sprechen. Somit nutzen sie die Gelegenheit zur Weiterbildung 100%ig aus!

Organisation des Projektes: Kreisau-Initiative e.V., Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung.
Finanzielle Unterstützung: Deutsch-Polnisches Jugendwerk.
Betreuung des Projektes: Sandra Hackert, Bartłomiej Gasiulewicz.

Galerie