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Gespräch mit Gili Eshel PDF Drucken E-Mail

Ein Interview mit Gili Eshel, der den ökologischen Skulpturenworkshop während des Projekts „Kleine Kunstschmiede“ in Kreisau leitete.

Wie sah dein Workshop in Kreisau aus?
Ich habe eine der Workshops während des Projekts „Kleine Kunstschmiede“ geleitet. Das Hauptziel meines Workshops war es, mit den Teilnehmenden - Kindern aus Rumänien, Polen und Deutschland - eine Skulptur auf dem Spielplatz zu bauen. Der gesamte Workshop basierte auf der Recycling-Idee und dementsprechend war das Thema: Abfall reduzieren, wiederverwerten und recyclen. Wir haben deswegen mit alten Reifen, Plastik und anderem Müll gearbeitet.

Wieso hast du Reifen für diese Skulptur verwendet?

In Israel, dem Land aus dem ich komme, habe ich viele Skulpturen aus Reifen hergestellt, da dieses Material leicht verfügbar ist und normalerweise nicht wiederverwertet oder recycelt wird. Ferner eignen sich Reifen als Material für Gruppen und Kinder, da sie nicht zu schwer, leicht zu schneiden und verformbar sind. Auch andere Gründe spielen eine Rolle dafür, warum ich Reifen benutzt habe: Ich wollte den Kindern etwas über Recycling und die Wiederverwertung von Müll beibringen und am wichtigsten war es für mich, die lokale Bevölkerung einzubinden.

Bist du das erste Mal in Polen? Wie war dein Eindruck?
Ja, es ist das erste Mal. Wie du weißt, gibt es in Israel wegen der heißen Temperaturen nur wenig Grün. Das Klima in Polen hingegen unterschiedet sich komplett. Bei meiner Ankunft haben mich Regen und niedrige Temperaturen begrüßt. Dies und die üppigen Landschaften Polens haben mich sehr überrascht.

Wo können wir uns deine Arbeiten anschauen?
Meistens fertige ich meine Skulpturen in Israel an und organisiere dort auch meine Workshops. Die Skulptur in Kreisau ist die Erste, die ich mit einer Gruppe in Europa gemacht habe.

Wie sehen die Arbeitsschritte bei der Herstellung einer Skulptur aus?

Um eine Skulptur zu bauen, sind verschiedene Schritte vonnöten. Zu Beginn sammeln wir alle nötigen Materialien wie z.B. Reifen, Plastikflaschen und Abfall. Gemeinsam mit den Teilnehmern erstellen wir dann einen ersten Entwurf. Im nächsten Schnitt schneiden wir die Reifen, suchen einen geeigneten Standort und befestigen das ganze so am Boden, wie im Entwurf vorgesehen. Als drittes wird das Innere der Reifen mit Müll und Zement aufgefüllt. Wenn der Zement hart genug ist, umhüllen wir die Skulptur mit einem Eisengeflecht und mit den Händen kann dann wieder Zement aufgetragen werden. Die gesamte Skulptur muss mit mehreren Schichten bedeckt sein, bevor sie poliert und von den Teilnehmern bemalt werden kann. Die letzte Phase ist dann das Wachsen, das die Skulptur äußeren Einflüssen gegenüber unempfindlich macht.

Was ist dein Beruf, womit beschäftigst du dich in Israel?

Ich bin Kunst- und Kunstgeschichtslehrer. Vor acht Jahren habe ich mich dann dazu entschlossen, eine eigene Firma zu gründen, die umweltfreundliche Skulpturworkshops anbietet. Ich bin der Kopf des ganzen und leite Workshops in ganz Israel.

Auf welche Skulptur bist du besonders stolz?
Ich habe keine Lieblingsskulptur, aber es gibt einige Workshops, an die ich mich sehr gut erinnere. Die ersten davon sind Workshops, die ich in acht israelischen Gefängnissen durchgeführt habe. In einem dieser Gefängnisse herrschte eine besondere Strenge, da die meisten der Insassen drogenabhängig waren. Dort habe ich einen sehr interessanten Workshop geleitet, in dem die Gefangenen Szenen aus ihrem Leben vor dem Gefängnis darstellen sollten. Das war ein sehr emotionales Projekt für mich. Im Mai dieses Jahres habe ich dann mit einer Familie zusammengearbeitet, deren 5-jährige Tochter gestorben ist. Die Familie bat mich, ihr zu Ehren eine Skulptur zu entwerfen. Wir haben dann eine Affenskulptur gebaut, weil das ihr Lieblingstier war.

Wie hat dir Kreisau gefallen?
Bevor ich hierher kam, hat es mich einige Zeit gekostet, die Aussprache des Ortsnamens “Krzyżowa” zu lernen. Also war mein erster Eindruck, dass ihr eine sehr schwierige Sprache sprecht. Nach meiner Ankunft in Krzyżowa fielen mir vor allem das wunderschöne Gelände und die grünen Wiesen auf. Ich muss außerdem erwähnen, dass ich von der Stiftung, der kulturellen Offenheit und der Freundlichkeit der Menschen, die dort leben und arbeiten, beeindruckt war.

Das Gespräch führte Katarzyna Śmiechowicz
Übersetzung: Lisa Quaeschning