Kreisau 2019 - was feiern wir?

Kreisau ist ein wichtiger Ort des deutsch-polnischen Dialogs. Nicht nur, weil dort am 12. November 1989 die Versöhnungsmesse statt fand. Einen wesentlichen Teil der Bedeutung von Kreisau als einem deutsch-polnischen Ort machen sowohl das beidseitige Entdecken Kreisaus, das Entdecken seines geistigen Vermächtnisses und die Stiftung selbst aus, die einen Raum des Dialogs für Jugendliche und Erwachsene vor allem aus Deutschland und Polen schafft und somit zu einem seiner relevanten Akteure geworden ist.

Aber wie ist dieses kleine, ehemals deutsche Dorf in Niederschlesien zu einem Symbol des Dialogs und der deutsch-polnischen Aussöhnung geworden?

1945 wurde das deutsche Kreisau zum polnischen Krzyżowa. Seinen neuen Einwohnern – Polen, die aus den ehemaligen Ostgebieten der Zweiten Republik gekommen waren – waren Kreisau und seine Vergangenheit fremd. Mehr noch, die Vergangenheit dieses Ortes interessierte sie überhaupt nicht. Vor diesem Hintergrund stellt Kreisau einen Ort erzwungener deutsch-polnischer Begegnungen dar. Diese Begegnungen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges und kurz nach dessen Ende lösten eher Irritationen und Ängste aus, die für die spätere Politik in den beiden deutschen Staaten und im kommunistischen Polen zu einem wichtigen Treibstoff der Propaganda wurden, mit dessen Hilfe ein deutsch-polnischer Anti-Dialog geführt sowie gegenseitiges Misstrauen in vielen darauffolgenden Jahren geschürt werden sollten.

Am 4. Juni 1989 fanden in Polen die ersten teilweise freien Wahlen statt. Am selben Tag wurden in Peking friedliche Proteste chinesischer Studenten vom Militär brutal niedergeschlagen. Drei Monate später begann der Eiserne Vorhang offensichtlich immer durchlässiger zu werden. Am 7. Oktober 1989 wurde in Ostberlin der 40. Jahrestag der DDR-Gründung noch pompös gefeiert – unter den Gästen von Erich Honecker befanden sich auch Michail Gorbatschow, Wojciech Jaruzelski, Todor Schiwkow und Nicolae Ceaușescu. Aber bereits zwei Monate später wurde der rumänische Diktator im Zuge der revolutionären Wirren in einem spektakulären Schauprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet. Mit diesem dramatischen Akzent ging das ereignisreiche Jahr 1989 zu Ende. Bereits zuvor hatten Berliner Bürger in der Nacht vom 9. auf den 10. November die trennende Grenzmauer in einer spontanen Aktion zu Fall gebracht. Diese Mauer war das markante Symbol des Eisernen Vorhangs, der Europa seit 1945 in zwei feindliche politische Blöcke gespaltet hatte. Bereits am 12. November fand im kleinen niederschlesischen Dorf Kreisau eine Heilige Messe statt, die von Politikern und Journalisten noch am selben Tag als „Versöhnungsmesse“ bezeichnet wurde.

Das Jahr 2019 wird für uns in Kreisau eine besondere Zeit sein. Eine Zeit, in der wir zu unseren Stiftungsanfängen zurückkehren – zu wichtigen Ereignissen, vor allem aber zu den Menschen, die Kreisau entdeckten und den Traum hatten, hier eine internationale Begegnungsstätte aufzubauen. Wir möchten Sie dazu einladen, uns bei dieser Zeitreise zu begleiten. Zugleich möchten wir Sie aber auch zu folgender Reflexion anregen: Was hat sich in den dreißig Jahren verändert? Inwiefern haben wir die uns gegebene Chance genutzt? Vor welchen Herausforderungen stehen wir heute?

Respekt. Dialog. Verständigung.
30 Jahre Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

 

In Erinnerung an unsere Wurzeln, an die Menschen, die unsere Organisation mit aufgebaut haben, und an die Ereignisse, die sie prägten, möchten wir das Jahr 2019 zum Anlass nehmen, eine vertiefte Reflexion darüber anzustellen, was wir aus der Vergangenheit lernen und wie wir eine auf Respekt, Dialog und Verständigung gründende Zukunft gestalten können. Eben diese drei Stichworte werden uns in dieser Zeit begleiten und dabei die Richtung unserer Aktivitäten vorgeben, zugleich aber auch darauf hinweisen, welche Werte schon immer für Kreisau wichtig waren.

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