Vergangenheit spannend erzählen
Dr. Tomasz  Skonieczny

Unlängst habe ich an einem Film gearbeitet, mit dem Werbung für Bildungsmaterialien zur Geschichte – wie könnte es denn auch anders sein – gemacht werden sollte. Eine der an den Aufzeichnungen Beteiligten sagte spaßeshalber in die Kamera: „Wir, Geschichtslehrer, wissen, dass Geschichte spannend ist. Jetzt müssen nur die Schüler davon überzeugt werden”. Nun gut, das war kein Witz. Lehrer nehmen dies gerade sehr ernst. Und mir gaben die Worte viel zu denken, berührten sie doch ein Problem, mit dem sich jede Person auseinandersetzen muss, die seriös an die Arbeit mit der Schuljugend im Rahmen der historischen und zivilgesellschaftlichen Bildung herangeht (Der zweite Aspekt ist hier besonders wichtig, denn denken wir bitte daran, dass wir Vergangenheit nicht vermitteln, um hobbymäßig Wissen anzusammeln, sondern mit dem Gedanken, dass dieses Wissen uns etwas lehren und uns womöglich dabei helfen soll, alte Fehler nicht zu wiederholen.).

Anti-Rassismus in der internationalen Jugendarbeit
Ich erkenne mein weißes Privileg: I Understand That I Will Never Understand. But I Stand.*

Charlotte Lohmann, Pädagogische Mitarbeiterin in der IJBS Kreisau

I understand that I will never understand. But I stand. Dass ich nicht immer und immer wieder mit Frage konfrontiert werde “Woher kommst Du”? Dass ich niemals die einzige Person in einem Zug oder Bus sein werde, die ihren Ausweis zeigen muss. Dass ich niemals durch den strukturellen Rassismus und den Alltagsrassismus zurückgehalten und verletzt werde. Dass mir niemals Dienstleistungen, Arbeit oder Wohnungen wegen meiner Hautfarbe verweigert werden. Dass ich wegen meiner Hautfarbe nie Kämpfe und Hindernisse im Leben ertragen muss. I understand that I will never understand, but I stand.

Als sich die Bilder des brutalen Polizeieinsatzes gegen George Floyd in der ganzen Welt verbreiteten und die Menschen begannen auf den Straßen zu demonstrieren, stand auch die IJBS Kreisau vor der Frage, ob und wie wir dazu Stellung nehmen wollen, denn Antirassismus ist für uns eine selbstverständliche Grundlage unserer pädagogischen Arbeit: Es gibt keine Neutralität gegenüber rassistischen und rechtsextremen Positionen, und ganz klar darf der Rahmen der Menschenrechtskonvention nicht überschritten werden.

"Willkommen in der neuen virtuellen Wirklichkeit"
28.05.2020, Charlotte Lohmann, Agnieszka Żegańska 

Bevor wir final ein Projekt realisieren, liegen bereits Monate harter Arbeit hinter uns. Vor knapp einem Jahr haben wir, die Krzyzowa-Stiftung und unser Partner, die Kreisau-Initiative e.V., den NETTZ-Förderpreis gewonnen. Ausgezeichnet wurde das Projekt #CreatingSpace A digital future with ethics in mind. Der Ausgangspunkt für das Projekt war, dass wir als Bildungsträger in der politischen Bildung verstärkt den Bedarf sehen, politische Bildung und Medienkompetenz nicht mehr getrennt zu betrachten. Vielmehr gibt es einen klaren Handlungsbedarf, Medienkompetenz um eine digitale Medienethik-Kompetenz zu erweitern.

Zuerst der Preis, dann fand erfolgreich das Kick-Off Event im Dezember 2019 zu den Themen der digitalen Ethik in Kreisau statt. Voller Tatendrang gingen wir dann in die Konzeption, um die Projektreihe im Jahr 2020 fortzusetzen. Die Teilnehmer*innen wurden rekrutiert und die Finanzierung war gesichert und nanu, dann kam Corona und die Frage stand im Raum: Trauen wir uns, es online zu tun? YES!

Nach einem organisatorischen Marathon und dank der Flexibilität unserer Sponsoren, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie der Teilnehmer*innen war nach einigen Tagen intensiver Arbeit das Konzept für das Online-Training fertig.

Nun folgt ein Interview mit Agnieszka Zeganska und Charlotte Lohmann, beide Bildungsreferentinnen der IJBS Krzyzowa, sie erzählen uns wie sie das Online Training erlebt haben. Das Besondere an dem Interview ist, dass es auf Deutsch und Polnisch geführt wurde, denn das ist die Realität, in der die IJBS in Kreisau arbeitet.  In unserer täglichen Arbeit sind wir tagtäglich von verschiedenen Sprachen umgeben, die uns wie ein Kleidungsstück umgeben, das man gerne trägt. Man gewöhnt sich daran und will es nicht mehr ausziehen.

Sprachnotdienst aus Kreisau
19.05.2020, Lucyna Boryczko

Schon seit zwei Monaten wird im polnischen Schulsystem aus der Ferne gelehrt und gelernt. Ein großes Thema ist dabei die immer deutlicher sichtbare Spaltung der Gesellschaft und die Ausgrenzung, von der eine verhältnismäßig große Gruppe von Schülerinnen und Schülern betroffen ist. Dabei ist am häufigsten zum einen von Familien, die die erforderlichen technischen Geräte nicht besitzen und zum anderen von dysfunktionalen Familien die Rede. Es gibt aber leider neben den digital und den gesellschaftlich und ökonomisch ausgegrenzten auch noch andere Gruppen, die die negativen Folgen des Fernunterrichts empfindlich zu spüren bekommen. Darunter sind viele Schüler*innen mit Migrationshintergrund.

Um deren schwierige Situation zu verstehen reicht es darüber nachzudenken, wie der Fernunterricht in Familien aussieht, in denen die Eltern Polnisch sprechen. Vor unserem geistigen Auge (oder auch, falls wir Kinder haben, mit unseren Augen) sehen wir das einigermaßen witzige Bild der Bewohner*innen eines Haushalts, die sich, oft auf nur wenigen Quadratmetern, bemühen, ihren bisherigen Verpflichtungen nachzukommen – Arbeit und Lernen, aus Büros und Schulen mitgebracht in die häusliche Abgeschiedenheit. Das letzte erzeugt schon ein Lächeln auf unserem Gesicht. Wo ist sie geblieben, die Ruhe der häuslichen Geborgenheit. Eltern, oft unsicher, was die Zukunft bringt, versuchen um jeden Preis den beruflichen Pflichten nachzukommen – antworten auf Emails, nehmen Telefonate an, während sie praktisch zur selben Zeit kochen, Konflikte zwischen den Kindern schlichten und den Zugang zu den vorhandenen Computern managen. Zusätzlich müssen sie immer wieder die Rolle der Lehrkraft der eigenen Kindern übernehmen. Eine einfache Angelegenheit? Dann stellen wir uns jetzt einmal vor, dass wir nicht oder nur schlecht polnisch sprechen und unsere Kinder am Fernunterricht in genau dieser Sprache teilnehmen.

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