30 Jahre Nachbarschaftsvertrag || Interview mit Hans Jörg Neumann, ab 2019 Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Kreisau

In diesem Jahr jährte sich zum 30. Mal die Unterzeichnung des Vertrages über gute Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland. Welche Bedeutung hatte dieses Abkommen Ihrer Meinung nach für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu diesem historischen Zeitpunkt?

Der Nachbarschaftsvertrag war gemeinsam mit dem Grenzvertrag von 1990 ein Meilenstein und Neuanfang in den deutsch-polnischen Beziehungen. Die Bundesrepublik Deutschland und Polen haben die bilateralen Beziehungen auf eine neue Grundlage gestellt. Durch die Anerkennung der Grenzlinie hat Deutschland Polen Sicherheit gegeben. Insbesondere ist hervorzuheben, dass Deutschland versprochen hat, Polen bei der Integration in die Europäische Union und in die NATO zu unterstützen. Das unterstrich das große deutsche Interesse, den Nachbarn Polen zu einem Partner und Freund zu machen. Deshalb ist dieser Nachbarschaftsvertrag ein sehr wichtiger Teil der aktuellen deutsch-polnischen Beziehungen.

30 Jahre Nachbarschaftsvertrag || Interview mit Krzysztof Kubow - Minister, Leiter des Politischen Büros des Premierministers, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Kreisau

In diesem Jahr feierten wir den 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrags über gute Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland. Welche Bedeutung hatte dieses Abkommen Ihrer Meinung nach für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu diesem historischen Zeitpunkt?

Der Vertrag hatte meiner Meinung nach vor allem eine stabilisierende Wirkung auf die deutsch-polnischen Beziehungen. Nach schwierigen und schmerzhaften Jahren, die von gegenseitigem Misstrauen geprägt waren, bedeutete dies einen Neuanfang für den Verlauf und das Tempo der Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen. Entsprechend ihrem Inhalt und ihrer Botschaft sind wir nicht nur Nachbarn, sondern auch Partner geworden.

Am 17. Juni 1991 wurde der „Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit“ zwischen Deutschland und Polen unterzeichnet. Darin äußerten die beiden Vertragsparteien ihre Überzeugung „von der Notwendigkeit, die Trennung Europas endgültig zu überwinden und eine gerechte und dauerhafte europäische Friedensordnung zu schaffen“, des Weiteren verpflichteten sie sich, „den Wunsch ihrer beiden Völker nach dauerhafter Verständigung und Versöhnung in die Tat umzusetzen“.

Der Vertrag über die Versöhnung

Im Vertrag ist insgesamt achtmal von Versöhnung die Rede. Versöhnung wird dabei mit unterschiedlichen Aspekten der deutsch-polnischen Beziehungen in Verbindung gebracht. Der Vertrag postuliert vielfältige Kooperationsformen zwischen den beiden Völkern, um die Versöhnung zu fördern und deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten, hierzu gehören u.a. gemeinsame Verantwortung der Deutschen und Polen für den Frieden in Europa, regionale Zusammenarbeit, Kooperationen in so unterschiedlichen Bereichen wie Wirtschaft, kultureller Austausch oder Förderung zwischenmenschlicher Kontakte zwischen Deutschen und Polen, wobei dem Jugendaustausch eine besondere Rolle zukommt.

Obwohl die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission seit fast einem halben Jahrhundert tätig ist, gibt es in den Schulbüchern beiderseits der Grenze immer noch eine Asymmetrie der Informationen über das Nachbarland, seine Geschichte und Erinnerungskultur. Daher war es von größter Bedeutung, dass die Schulbuchkommission im Jahr 2008 mit der Arbeit an einem sogenannten deutsch-polnischen Geschichtsbuch für die Sekundarstufe in Polen und Deutschland begann.

Zunächst wurden die Kerncurricula in Polen und in den 16 deutschen Bundesländern untersucht, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den Inhalten des Geschichtsunterrichts in der Primarstufe und der Sekundarstufe I zu ermitteln; und dann wurden die Arbeiten aufgenommen. Nach der Einführung der jüngsten Bildungsreform in Polen wurde beschlossen, dass das entstehende Schulbuch zur Verwendung in Grundschulen (Klassen 5-8) bestimmt wird. Im Sommer 2020 wurde mit der Veröffentlichung des letzten Bandes zur neuesten Geschichte die Arbeit an der vierbändigen Schulbuchreihe mit dem Titel Europa. Unsere Geschichte abgeschlossen, die in Polen von dem Verlag Wydawnictwa Szkolne i Pedagogiczne [Verlagshaus für Schule und Pädagogik] und in Deutschland von der Eduversum GmbH publiziert wurde. Die zuvor erschienenen Bände widmeten sich der Vorgeschichte bis zum Mittelalter (Bd. 1), der Neuzeit (Bd. 2) und der Zeit von 1815 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts (Bd. 3).  

8 x Versöhnung

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