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12. November 2017 - 28. Jahre Kreisauer Versöhnungsmesse PDF Drucken E-Mail

Obwohl die Anreise einer Delegation in Kreisau bereits am 02. November erahnen ließ, dass dem Ort etwas großes bevor stünde, erhielt der Pfarrer der Gemeinde, Bolesław Kałuża, erst am Samstag den 04. November die offizielle Bestätigung, dass die Versöhnungsmesse zwischen Kohl und Mazowiecki nicht am Annaberg, sondern in Kreisau stattfinden würde. An diesem Tag traf Horst Teltschik, der Sonderbevollmächtigte des Kanzlers, mit einer deutschen Delegation in Kreisau ein, um die Vorbereitungen zu besprechen. Nachdem man sich die Kirchen in Grodziszcze (Gräditz) und Kreisau angeschaut hatte, beschloss man, dass die Messe unter freiem Himmel auf dem eh. Gut der von Moltkes stattfinden würde. Auch die ersten Reporter trafen an diesem Tag in Kreisau ein. Seit dem 06. November dann, einem Montag, arbeitete man Tag und Nacht und wurde dabei tatkräftig von den Einwohnern Kreisaus unterstützt.

Zu im Eiltempo durchzuführenden Maßnahmen, gehörte unter anderem die Beschaffung eines geeigneten Altars, den man sich bei der Solidarność in Świdnica auslieh. In Zusammenarbeit mit dem Klub der Katholischen Intelligenz Breslau, dem Wojewoden aus Wałbrzych/Waldenburg, dem Gemeindevorsitzenden und dem Stadtpräsidenten von Świdnica, der einheimischen Bevölkerung und sogar der Armee, brachte man nicht nur das Wirtschaftsgelände, sondern auch den Kapellenberg und das Berghaus notdürftig in Ordnung. Pfarrer Kałuża schreibt dazu: „In einigen Tagen versuchte man die kommunistischen Versäumnisse der letzten 45 Jahre aufzuarbeiten oder mindestens das Bild zu retuschieren.“

Wegen der kurzen Vorbereitungszeit musste auch der Plan, das Terrain zwischen Schloss und Pferdestall mit weißem Splitt aufzufüllen, aufgegeben werden und man entschied sich, die Fläche zu ebnen und leicht mit Sand zu bestreuen. Zudem mussten der Zugang zum Schloss und die anderen vom Einsturz gefährdeten Gebäude notdürftig abgesichert werden – eine der problematischsten Angelegenheiten, wie der Leiter der Vorbereitungen, Michał Czaplinski, beschrieb. Zudem musste eine Vielzahl von Auflagen und Beanstandungen seitens der deutschen und polnischen Behörden und der Presse ertragen werden: „ … Dann reiste die Equipe des polnischen Fernsehens an und sicherte sich die besten Plätze. Es folgten Beamte des Staatsschutzes mit einer Fülle von Sicherheitsproblemen; unter anderem verlangten sie … die Unterzeichnung einer Erklärung, dass keiner der die Plattform [für den Altar] tragenden Reifen platzt. Zuletzt erschien das deutsche Fernsehen mit seinen Einfällen und klagte, das polnische Fernsehen habe die besseren Positionen, … und überhaupt sei alles nicht so.“ (Michał Czaplinski)

Die heilige Anna, deren Bild die Messe schmücken sollte, führte zu einer gewissen Beunruhigung bei der deutschen Delegation, so dass sich Pfarrer Kałuża für die Heilige Hedwig entschied. Wie Pfarrer Kałuża in seinen Aufzeichnungen beschreibt, stellte das Auffinden einer Hedwigstatue eine besondere Herausforderung dar.

Die Heilige HedwigHedwig von Andechs wurde 1174 geboren und im Alter von 12 Jahren mit dem Herzog von Schlesien und späterem Herzog von Polen, Heinrich I., verheiratet. Hedwig und Heinrich förderten die Vertiefung des christlichen Glaubens und die kulturelle Entwicklung Schlesiens. Vor allem Hedwig unterstützte die Kirche und half den Armen. Man sagt, sie wäre im Winter oft barfuss gegangen, weswegen sie auf vielen Bildnissen mit den Schuhen in den Händen dargestellt ist. Nachdem ihr Mann im Kampf gegen die Mongolen im Jahr 1238 und ihr Sohn bei der Schlacht um Wahlstatt 1241 gefallen waren, gründete sie an diesem Ort eine Benedektinerabtei. Im Jahre 1243 wurde sie in jenem Kloster in Trebnitz bestattet und im Jahre 1267 heilig gesprochen. Sie ist heute nicht nur Schutzpatronin von Schlesien und im besonderen der Stadt Görlitz. Ihr Name steht gleichfalls für die Versöhnung von Deutschen und Polen.

Dank der Unterstützung der Diözese Wrocław und des Bischofs Jozef Pazdurs erhielt man dann aus dem Diözesanmuseum eine Hedwigstatue: „Schön, alt, lächelnd und erfreut – erfreut darüber, was sie sehen wird: den Kuss des Friedens und der Versöhnung beider Völker, die sie selbst in ihrem Herzen einst vereint hatte (Pf. Bolesław Kałuża).“